Challenge Accepted. Familienurlaub 2.0

IMG_3383neuWeihnachten letzten Jahres stellten wir uns erstmals die Frage, was wir im Sommer mit den Kindern machen wollten. Da unsere beiden Mädels noch nicht in die Schule gehen waren wir zeitlich flexibel bei der Planung des familiären Megaprojekts Familienurlaub. Nach langen Überlegungen entschieden wir uns für eine Woche Urlaub im Herzen der Mecklenburger Seenplatte.

“Wie nur eine Woche?” wurde ich von einigen kinderlosen Freunden gefragt, die gedanklich schon wieder einen 14-tägigen All Inclusive-Urlaub am Pool eines mallorquinischen 4-Sterne-Hotels geplant hatten. Aus dem letzten Jahr wusste ich allerdings noch wie lange eine Woche Familienurlaub tatsächlich dauern kann.

Ich erinnere mich auch noch gut an meine Kindheit, als mein Bruder, meine Schwester und ich mit meinen Eltern im vollgepackten Golf 2 durch Deutschland bretterten. Meine Mutter saß traditionell auf dem Beifahrersitz und entertainte uns mit Geschichten, Ratespielen, gekochten Eiern und Süßigkeiten. Natürlich immer mit der 3×3 Meter großen Deutschlandkarte auf dem Schoß. Das menschliche GPS sozusagen. Außerdem hatte sie die Funktion des Radio-DJs inne. Da bekam das Wort Multitasking eine ganz neue Bedeutung. Ein Wahnsinn eigentlich.

Um diese Strapazen zu minimieren suchten wir uns eine Ferienwohnung in einem schönen Haus am See, das in weniger als 2 Stunden von Rostock aus erreichbar sein würde. Auf die Fahrt hatte ich mich natürlich professionell vorbereitet. Tablet und Handys waren aufgeladen, neue Spiele für die Kids waren installiert. Bei bestem Sommerwetter kamen wir an unserem See an, der sich inmitten des Müritz-Nationalparks befindet. Der Spielplatz war vor der Tür, direkt neben dem Kanuverleih und einer kleinen Gaststätte inkl. Biergarten – beste Voraussetzungen also. Um mal richtig abzuschalten hatte ich mir außerdem ein wahnwitziges Selbstexperiment verordnet: eine Woche ohne Internet.

Apropos Technik. Der Fernseher in unserer Wohnung war nicht wirklich ein Big Screen. Er erinnerte eher an eine kleine Mikrowelle, so dass Töchterchen mich am ersten Tag zur Seite nahm und schockiert fragte: “Papa, warum haben die denn hier so einen kleinen Fernseher?” Ehrlichgesagt erschloss sich auch mir keine plausible Logik.

An unserem ersten Abend wollten meine Frau und ich uns schön draußen in den Innenhof setzen, als die Kinder schliefen. Ich hatte eine Flasche Wein kalt gestellt, der Himmel war dunkelblau und die Temperaturen noch bei lauschigen 20 Grad. Leider waren die lokalen Mücken in bestechender Form, so dass wir nach 10 Minuten entnervt aufgeben mussten. Überhaupt, wer bei Familienurlaub an Erholung denkt, der war noch nicht im Familienurlaub. Töchterchen hatte sich als Lieblingsplatz direkt den langen Steg am See ausgesucht, der uns aufgrund mangelnder Schwimmskills ihrerseits in permanente Alarmbereitschaft versetzte.

Ich kann allen jungen Eltern aber trotz aller Überwachungsmaßnahmen einen gemeinsamen Urlaub in der Natur nur empfehlen, gerade bei uns in Mecklenburg, das oft an Schweden erinnert. Besser kann man nicht abschalten. Wir waren viel unterwegs, Kanu fahren, baden, biken und natürlich “Fuball bielen”. Da ist man abends auch einfach mal platt, so dass wir an 2 Tagen mit den Kiddies schon um halb 9 eingepennt sind. Widerstand zwecklos.

Erstaunlicherweise fiel mir diese Offlinesache auch ziemlich leicht. Man merkt einfach, dass man auf 90% der ganzen Smartphone-Daddelei verzichten kann. Dafür bleibt dann Zeit, um das zu tun, was man sich zu Hause immer vornimmt, aber irgendwie nie macht: zum Beispiel ein Buch lesen. Oder sich mal unterhalten. Da kann man auch schon mal über den nächsten Urlaub sprechen. Dann vielleicht auch mal ohne Kinder. Das muss nämlich auch mal sein.


0381 magDieser Text erschien bereits in meiner Kolumne “Daddymodus. Der ganz normale Wahnsinn zwischen Barbie, Boombox und Babybrei” im 0381-Magazin, das in Rostock und Umgebung seit Jahren als Stadtmagazin am Start ist.

Bisherige Kolumnen: “Ein ganz normaler Samstag Morgen.”, “Pepi Play, Dr. Panda und die pupsenden Fische”, „It´s a girl! Warum es großartig ist, Mädchenpapa zu sein.“ Noch mehr #DaddyModus Blogposts von mir gibt´s hier.


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4 Kommentare

  1. Hahaha, das kann ich echt bestätigen. Wir waren mit unserem Kleinen 10 Tage auf Rhodos (noch vor der Eskalation der Krise) und es hätte auch nicht länger sein sollen. Ich glaube ihm fehlte dann einfach irgendwann die gewohnte Umgebung. Und so schön es war, so anstrengend war es auch. Trotzdem kann ich mir Urlaub ohne meinen Sohn gar nicht (mehr) vorstellen..

  2. […] Challenge Accepted. Familienurlaub 2.0 „Gabriel Rath“ war auch in Urlaubsstimmung und schreibt über seine Offline-Erlebnisse. […]

  3. […] jeden Fall wieder an die Mecklenburgische Seenplatte fahren. Das “Land der 1000 Seen” hatte uns schon letztes Jahr begeistert. Außerdem war der kurze Fahrtweg mit den Kindern einfach unschlagbar. Für diesen Sommer hatte ich […]

  4. […] auf dem wir einige sehr schöne Tage verbrachten, kann ich Familien übrigens sehr empfehlen (Blogartikel). Eben weil man sich bei uns an der Seenplatte fühlt wie in Schweden waren wir auch in 2016 wieder […]

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