Ist das die coolste Bibel der Welt? Ein Interview mit Oliver Wurm über Design, Social Media und die Heilige Schrift.

Kinder und Glaube. Das ist ja so eine Sache. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber unsere Kinder stellen sehr viele Fragen. Über Gott, das Leben, den Tod und das ganze Drumherum. Ich selber bin Christ und erzähle meinen Mädchen, 4 und 8 Jahre alt, öfter Storys aus der Kinderbibel.

Auf meinem Handy gibt es neben Twitter, Evernote und all den anderen Klassikern sogar eine interaktive Kinderbibel-App, die die Kinder sehr mögen. Die ist sogar ziemlich nett gestaltet – ganz im Gegensatz zu vielen traditionellen Bibeln, die man so kennt.

Was mich zu folgender Frage brachte:

Wie cool wäre es eigentlich, wenn jemand die Bibel mal komplett neu layouten würde?

Vielleicht jemand, der sonst extrem coole Magazine an den Kiosk bringt, zum Beispiel Fußball-Magazine? Ladies und Gentlemen, meet Oliver Wurm.

Oliver ist einer der wichtigsten deutschen Sportjournalisten, lebt und arbeitet in Hamburg und hat schon so einiges auf die Straße gebracht. Ich wurde auf ihn aufmerksam durch seinen TED-Talk, den ich bei YouTube fand. Dort sprach er darüber, wie er die Bibel als Magazin rausbrachte. Aber der Reihe nach. Ich habe ihn gefragt, was da genau abging.


Moin Oliver, für die, die dich nicht kennen, erzähl doch mal kurz wer du bist, wo du herkommst und was du so tust.

Ok, wenn ich jetzt richtig aushole, kommen wir platzmäßig vermutlich nicht mehr zu einer zweiten Frage. Insofern mache ich es maximal kurz: Geboren im Sauerland, Sport-Studium in Köln, seit 1995 Sportjournalist, seit 2006 selbstständig als Medienunternehmer und -Berater. Selbstständig definiere ich hierbei so, dass ich selbst ständig irgendwas neues probiere. Nicht alles ist auch erfolgreich, vor allem nicht wirtschaftlich. Das Spektrum zieht sich dabei von Fußball-Hefte über Panini-Alben für Städte und dem Neuen Testament als Magazin bis zu Apps, die Sekunden-Geburtstage ausrechnen.

Wir leben in digitalen Zeiten. Facebook, Instagram und YouTube bestimmen unseren Alltag. Trotzdem hast du schon immer Print-Magazine entwickelt und auf den Markt gebracht. Sterben die nicht aus?

Wie hat Martin Luther gesagt: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ So sehe ich das auch in Bezug auf die düsteren Visionen rund um Print. Ich bin aber auch sicher, dass gut gemachte Print-Magazine noch erscheinen werden, wenn wir zwei längst als Rentner auf der Parkbank sitzen. Und ich werde vermutlich sogar mit Freude darin blättern.

Du bist ein großer Sportfan. Hast lange für die Sport-Bild geschrieben und später das Player-Magazin rausgebracht. Eines Tages kamt dir allerdings die Idee für ein ganz anderes Magazin. Erzähl doch mal.

Das war eine komplett spontane Idee. Ich lag in einem Hotelzimmer, auf dem Tisch lag eine dieser Gratis-Bibeln. Ich habe ein wenig darin gelesen, fand vieles auch überraschend zeitgemäß. Die kleine Schrift, das dünne Papier und die gesamte monotone Aufmachung haben mich aber sehr ermüdet. Als ich am nächsten morgen aufwachte, lag die Bibel noch aufgeschlagen auf meiner Brust. Ich war beim Lesen eingeschlafen. Da dachte ich mir: Da muss man mal ran.

Modernere Schriften, alles etwas luftiger layouten, dazu ein paar schöne Optiken. 700 Stunden später war es fertig: Das Neue Testament als Magazin. Der vollständige Text in einem handlichen Heft-Format am Kiosk. Wir haben unendlich viele positive Zuschriften bekommen. Und unser NT-Magazin findet auch heute noch täglich neue Fans. Wer es einmal entdeckt hat, bestellt nicht selten mehrfach nach.

Welche Beziehung hattest du vorher zur Bibel?

Ich bin katholisch, war in der Jugend Messdiener, habe Zivildienst bei der Caritas gemacht und mein Abitur auf einem von Ordensschwestern geleiteten Gymnasium gebaut. Das NT-Magazin ist aber keine Idee, die aus missionarischem Eifer entstanden ist.

Das Bibel-Magazin schlug super ein. Es wurden auch einige Preise gewonnen. Welche Rolle spielte das Design dabei?

Eine Hauptrolle. Das Design hat hier eine Funktion, nämlich den Text lesbar machen. Das ist uns auf herausragende Weise geglückt. Mein Kollege, der Art Director Andreas Volleritsch, hat sehr lange daran getüftelt. Man konnte ja, anders als bei normalen Magazinen, die Texte nicht einkürzen.

Gibt es noch weitere religiöse Dinge, die man mal modernisieren könnte? Einen Gottesdienst zum Beispiel?

Alle Dinge sollten einem steten Wandel unterliegen. Wobei mir das Wort „modernisieren“ zu inflationär verwendet wird. Modern ist nicht immer besser.

Gab es auch Gegenwind zu eurem Bibel-Projekt?

Es gab und gibt immer mal wieder Stimmen, die sagen: ‚Darf man das? Den Text der Heiligen Schrift gewichten?‘ Wir stellen aber immer wieder fest, dass die Kritik umgehend in Begeisterung umschlägt, wenn diese Leute dann mal in unserem Magazin blättern und lesen. Dann stellen sie schnell fest, dass auch die Gewichtung, das Herausstellen einzelner Textpassagen, immer der Lesbarkeit dient und keinem inhaltlichen Schema folgt.

Die Bibel als Magazin (Vorschau)

Was motiviert dich bei deinen Projekten eigentlich?

Ich kann nicht ‚nicht anfangen‘. Das ist in gewisser Weise auch mein Problem. Deshalb arbeite ich permanent zu viel – und vor allen an zu vielen Projekten parallel. Aber jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – und dann auch noch Hermann Hesse hier unterzubringen…

Du bist selbstständig. Könntest du dir vorstellen, jetzt noch in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten?

Ich fürchte, ich bin da nicht mehr kompatibel.

Was kannst du jungen Leuten empfehlen, die keine Ahnung haben, was sie tun sollen?

Dass sie einfach mal mit etwas beginnen. Ein freiwilliges soziales Jahr im Seniorenstift, einen Youtube-Kanal starten, auf Weltreise gehen – manchmal merkt man erst, was man möchte, wenn man weiß, was man auf keinen Fall will. Der Weg ist hier tatsächlich das Ziel. Mein letzter Kalenderspruch: versprochen!

Du vermarktest deine Projekte sehr stark über Social Media. Was sind die drei wichtigsten Dinge dabei?

So viel mache ich da gar nicht. Ich habe ein paar Social Media Kanäle, ja. Auf denen versuche ich eine gewisse Haltung zu vertreten zu gesellschaftlich relevanten Themen. Manchmal mache ich da auch einfach nur ein bisschen Unterhaltungs-Quatsch. Und wenn aus meinem Büro irgendwas neues an den Markt kommt, schreie ich es natürlich über alle Kanäle hinaus in die Social Media Welt. Ich lebe ja von den Verkäufen.

Das Motto meines Blogs lautet „Daddymodus“. Familie bedeutet mir alles. Wie sieht es bei dir aus? Kennst du eigentlich Daddy-Printmagazine wie die (Men´s Health) Dad und was hältst du davon?

Ich bin noch Single, daher leider kein Daddy-Mag-Experte.

Was steht als nächstes bei dir an? Wo können wir dir folgen für Updates?

Im Januar kommt das nächste Panini-Album, eine Kollektion zur Geschichte des Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet. In 2018 wird die letzte Zeche geschlossen. Wir widmen den Kumpel eine echte Klebechronik. Im Mai, vor der Fußball-WM im Russland, gibts wieder ein Magazin – und dazwischen, fürchte ich, gibts noch ein halbes Dutzend Projekte, von denen ich aktuell selbst noch nichts weiß. Auf Twitter findet man mich unter @oliverwurm – und generell auf allen Social Media Kanälen unter meinem Klarnamen.

Ich danke für das Interview und wünsche weiterhin alles Gute. Mehr zum Bibel-Mag gibt´s hier: www.bibelalsmagazin.de

Kennt ihr das Magazin schon? Wie findet ihr dieses Projekt? Schreibt´s mir in die Kommentare. Bin gespannt.


Gewinnspiel

Ich verlose 1 Exemplar des Bibel-Magazins unter allen Lesern. Um teilzunehmen schreibt mir einfach bis 30.11.2017 eine Mail an gabrealness (ät) gmail.com. Der Gewinner wird unter allen Teilnehmern ausgelost und per Mail benachrichtigt.


Hier könnt ihr den inspirierenden Auftritt von Oliver in der berühmten TED-Talk-Reihe sehen:

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