WonderCards! Oder: Warum Haptik in Zeiten der Digitalisierung wertvoll bleibt

“Sooner or later, everything old is new again,” soll Stephen King einmal gesagt haben. Interessanterweise scheint das auch im Kontext Digitalisierung zu stimmen. Schallplatten und Bücher zum Beispiel waren lange totgesagt, erleben heute aber einen Höhenflug. Digitalmächte wie Apple und Amazon setzen bewusst auf Stores. „Evernote“, spezialisiert auf die papierlose Verwaltung, stellt jetzt gemeinsam mit „Moleskine“ Notizbücher her.

Der amerikanische Autor David Sachs spricht in seinem Buch „Revenge of Analog“ sogar von einem „Comeback des Echten“. Echte Karten bietet übrigens Nadja Petranovskaja, die sich um „Instant inspiration for consultants, (agile) coaches, facilitators, and trainers“ kümmert. Ihre WonderCards sind als haptische Tools nicht nur ein Hingucker, sondern sorgen für mehr Kreativität. Ich habe mich mit ihr unterhalten.


Ist die Zukunft 100% digital?

Geht es nur mir so oder sehnen wir uns in Zeiten der Digitalisierung, in denen unser Leben sich mehr und mehr in den virtuellen Raum verlagert, zunehmend nach Dingen, die man anfassen, schmecken oder riechen kann? Führt die Überforderung, die wir durch ständige Erreichbarkeit und Informationsüberfluss erleben, wohlmöglich zu einem Antitrend?

Gif by Will Mullery

The Revenge of Analog

So sehr ich mir auch Mühe gebe, mein Leben durch die Digitalisierung zu vereinfachen, also auf Papier zu verzichten, Dinge eher zu teilen als zu besitzen und mein Leben am Smartphone zu organiseren, um so mehr verstehe ich auf der anderen Seite, wie wichtig analoge Dinge sein können. Haptische Dinge erleben heutztage fast eine Rennaissance. Man denke nur an Vinyl. Ich hatte hier im Blog ja schon mal darüber geschrieben, dass auch ich Vinyl MP3s vorziehe.

Außerdem kaufe mir nach wie vor gerne haptische Magazine wie T3N, Brand Eins oder Business Punk. Oder auch „echte“ Bücher. Ich lese zwar auch auf meinem Kindle, mag aber auch das Papier, das man anfassen kann und das kein künstliches Licht absondert.

Autor David Sachs, dessen Buch „The Revenge of Analog“ zum Bestseller avancierte, sieht für diese Entwicklung klare Gründe: Erst jetzt – da die Digitalisierung die Gesellschaft prägt – könne man überhaupt erkennen, was an ihr gut ist und was schlecht. Deshalb komme das Digitale auch jetzt auf den Prüfstand und wird dort wieder abgeschafft, wo es die Erwartungen nicht erfüllt.

Haptik und Kreativität

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass haptische Dinge sehr dabei helfen können, kreativ zu sein. Wenn ich in Workshops einen echten Wecker, bunte Post Its oder ein Flipchart nutze, kann ich Gedanken ganz anders kanaliseren und mich dabei auch auf diese eine Sache konzentrieren.

Zu diesen haptischen Dingen, die ich mag, zählen definitiv auch Karten. Schon als Kind sammelte ich Autokarten, dann wurden es Upperdeck-Basketballkarten und irgendwann hatte man dann mit Visitenkarten zu tun. Heute mag ich Karten, die auch digitale Themen haptisch an den Mann oder die Frau bringen. Ziemlich cool sind da zum Beispiel das „New Work Quartet“ von „Quäntchen und Glück“, die Scrum-Cards von Senacor oder die Postkarten von Digital Mindset.


WonderCards

Bei Twitter stieß ich auf die WonderCards von Nadja Petranovskaja und war sofort begeistert von der Idee: 40 Karten funktionieren dabei als hilfreiche Begleiter für Moderatoren, Trainer, Coaches und Berater. Diese kreativen Starthilfen, zu deutsch Beraterkarten, finanzierte Nadja über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Ich habe Nadja dazu befragt:

„Menschen, die ihre Arbeit gern tun und sich auf jeden Montag freuen, sind das Beste, was einem Unternehmen passieren kann.“

Moin Nadja, stell dich doch mal kurz in einem Satz vor?

Ich bin Nadja Petranovskaja, Psychologin und Traveller, und ich sorge mit allem, was ich tue für More Shiny Eyes.

Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus?

Das „normale“ an meinem Leben ist, dass ich wenig bis gar nicht gleiche Tage habe. Zu meinen Routinen gehört jedoch Yoga, viel Tee und mehrere Bücher gleichzeitig lesen. Ansonsten gibt es Tage beim Kunden (Moderation, Teamentwicklung, Beratung) und Tage dazwischen (Freunde, Lesen, Bloggen, Fotografieren…). Und wenn ich nicht arbeite, nenne ich das „Zwischenrente“ und erkunde die Welt.

Über Twitter bin ich auf deine WonderCards aufmerksam geworden. Erzähl doch mal, was steckt dahinter und wie bist du auf die Idee gekommen?

WonderCards sind ursprünglich als handgeschriebenes Kartenset von Tools, Methoden, Übungen für mich selbst und meine Arbeit entstanden. Ich wollte weniger Bücher mit mir schleppen und nicht immer wieder Modelle und „how to“ googeln. Ein Foto meiner „Spickzettel“ habe ich mal bei LinkedIn gepostet – es stieß in den sozialen Medien auf starke Resonanz. Daraus wurde erstmal ein Survival Kit in der deutschen Sprache, und später kamen die englischen dazu.

Du hast das Projekt über das Crowdfunding-Portal Kickstarter erfolgreich finanziert. Was hast du dabei gelernt? Was sollte man beachten, wenn man selbst etwas starten möchte?

Das hat mich in der Tat persönlich wie geschäftlich auf eine neue Ebene gebracht, und darum habe ich dazu einen Blogartikel geschrieben: https://petranovskaja.com/crowdfunding/

Wie können haptische Hilfmittel wie Karten in der Digitalisierung Unternehmen helfen?

Wenn wir bewusst beachten, wie wir lernen oder Informationen verarbeiten, dann ich klar, dass den digitalen Medien einige Möglichkeiten haitischen Mittel fehlen. Wir können das am Beispiel Buch vs. PDF lesen verdeutlichen. Beide Mittel haben Vorteile, jedoch wird in vielen Studien immer wieder darauf eingegangen, dass haptische Mittel emotionaler sind und durch die Verbindung mit dem Test-Sinn intensiver in der Möglichkeit, nachhaltiges Wissen zu liefern.

Digitale Medien sind dagegen schneller und können große Menge Information mit wenig Gewicht transportieren. Mit den WonderCards habe ich eine Brücke zwischen diesen beiden Vorteilen gebaut. Heute haben manche Karten einen Kurzlink, der zusätzliche Informationen liefert. Später haben wir vor, eine App mit AR zu haben, die Videos, Bilder und weitere Infos noch schneller bereitstellt.

Welche Karte kommt in deinen Workshops immer besonders gut an und warum?

Das hängt vom Thema ab! In dem Set gibt es nämlich neben „Bonus-Karten“, die sich überall und für jede Gruppengröße einigen, auch thematisch zugeordnete Karten, wenn es um Change, Führung oder Agilität in der Komplexität geht. Ich persönlich nutze die Karte „HoWoRiCha“ sehr oft und habe da ein Video zur Nutzung-Möglichkeiten gemacht:

Wo kann man dir folgen und was erwartet deine Follower?

Neben meinem eigenen Blog bin ich vor allem auf Twitter und LinkedIn aktiv. Twitter nutze ich viel für Neues entdecken, mich vernetzen und lernen. Dort werden immer tolle Infos und Links geteilt. LinkedIn ist für mich eine Art „Clubhouse“, wo ich gern längere Artikel von coolen Leuten lese und auch mein Wissen mit Kollegen und Kunden teile. Wer meine Reisebilder schauen mag, findet mich auf Instagram. Und meinen 11 Jahre alten Blog nutze ich immer noch als eine Art Online-Tagebuch für Themen, die mir persönlich viel bedeuten oder mich stark bewegen.


Ich kann die WonderCards nur empfehlen. Sie sehen nicht nur gut aus, sondern bieten auch tolle Ideen für die Gestaltung von Workshops. Hier könnt ihr euch ein Set bestellen.


Mich würde interessieren, wie ihr das Thema seht. Kennt ihr noch weitere Karten oder haptische Dinge, die als Ergänzung zu digitalen Tools extrem sinnvoll sind? Schreibt mir doch mal einen Kommentar. Bin gespannt.

Gabriel Rath

Ich bin Gabriel, Rostocker Jung`, verheirateter Vater von 3 kleinen Töchtern und kreativer Kopf mit einer Vorliebe für Digitale Kommunikation und Social Collaboration. Hier im Blog schreibe ich über mein Leben zwischen Kinderzimmer und Digital Workplace.

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