New Work: 10 Fragen, mit denen du herausfindest, was du wirklich, wirklich willst

Viel ist geschrieben worden über New Work, dem Buzzword der Stunde. „New“ ist schließlich immer gut und „Work“ betrifft uns irgendwie alle. Dummerweise versteht nur jeder etwas anderes unter dem Begriff. Angefangen vom Home Office, über Obstkörbe und hierarchielose Organisationsformen bis hin zur Selbstverwirklichung als Karriereziel. Nähert man sich dem Thema allerdings ernsthaft landet man schnell bei dem Philosoph Frithjof Bergmann, der „das neue Arbeiten“ in den 1970er Jahren in Flint, Michigan als Idee entwarf.

Sein Ansatz lautete: Wir sollten alle herausfinden, was wir wirklich, wirklich wollen.“

Doch wie macht man das eigentlich?

In der hörenswerten Folge des Podcasts „On The Way To New Work“ erzählt Bergmann, mittlerweile 88 Jahre alt, warum es alternativlos ist, sich selbst zu fragen, was man will. Wer nur das tue, was andere von einem erwarten, der könne nicht glücklich werden. Es gehe darum, mit den Mitteln und Möglichkeiten der heutigen Zeit dem nachzugehen, was man sich als Ziel gesteckt hat.

Als grundlegende Werte der „Neuen Arbeit“ definierte Bergmann Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Erwerbsarbeit solle stark verkürzt werden und in etwa zu gleichen Teilen mit smarter Selbstversorgung und „Arbeit, die man wirklich, wirklich will“ die Teilhabe an der Gemeinschaft aus machen. Welche Arbeit den eigenen Wünschen, Hoffnungen und Begabungen entspricht, sollten die Menschen gemeinsam mit Mentoren in den „Zentren für neue Arbeit“ herausfinden.

Bei Twitter hatte ich gefragt, wie denn die Community darüber denkt. Daraus abgeleitet habe ich folgende Fragen, die man sich stellen kann, um herauszufinden was man wirklich, wirklich will.

1. Retrospektive: Wann war ich in meiner bisherigen Karriere happy und warum?

Einfach mal die Pause-Taste drücken und zurückschauen. Welche Arbeit oder welches Projekt hat mir am meisten Spaß gemacht? Und warum eigentlich? Was waren die Rahmenbedingungen? Wie war die Zusammenarbeit mit dem Team?

2. No To Do Liste: Was sind die Aufgaben, die ich auf keinen Fall (mehr) machen möchte?

Gut, wenn man Dinge ausprobiert. Schlecht, wenn man Aufgaben, die einem nicht liegen, dauerhaft erledigen muss – und sich so morgens zur Arbeit schleppen muss.

3. Passion: Für welche Themen brenne ich?

Die Welt entwickelt sich exponentiell. Täglich entstehen neue Jobs. Möglicherweise gibt es neue Modelle, wie ich aus einem meiner Hobbys einen Business Case machen kann. Vielleicht im ersten Schritt auch (nur) als Sidepreneur.

Bei welchen Themen bin ich „aufgeregt“ und vergesse die Zeit? Oder wie Anja Förster schreibt: Was brauche ich? Was ist „mein Wort“?

4. Why: Was bedeutet „Purpose“ für mich ganz persönlich?

Sich einfach mal fragen: Wozu eigentlich? Dazu hat Simon Sinek einen wunderbaren Talk gehalten, den man kennen sollte.

5. Mut zum Risiko: Traue ich mich, die Komfortzone zu verlassen, um Neues zu entdecken?

6. Network: Wer aus meinem Netzwerk kennt mich gut und kann mir ein konstruktives Feedback geben?

Wer kennt meine Stärken und Schwächen? Wer kann mir ein wertvolles Feedback geben oder sogar Mentor sein? Wie kann mir mein Netzwerk helfen?

7. Best Case: Wie würde mein perfekter Arbeitstag aussehen?

Von morgens bis abends – wie sollte der perfekte (Arbeits-)Tag aussehen? Wie wollen wir Leben/Familie und Arbeit zukünftig vereinbaren? Schaut euch dazu mal den Talk von Nigel Marsh an:

8. Prioritäten: Was sind meine „Big 5 for Life“?

Wenn ich irgendwann auf meinem Sterbebett liege, worauf möchte ich stolz und glücklich zurückschauen? Was ist mir wichtig und wie kann ich mein Leben konsequent an diesen Top 5-Prioritäten ausrichten?

9. Reflexion: Was sind meine Stärken und Schwächen? Und: Was tut mir gut?

Warum versucht man eigentlich nur im Vorstellungsgespräch, diese Frage zu beantworten? Womit war ich erfolgreich? Und was fällt mir eher schwer? Ich nutze zum Beispiel den Planer „Klarheit“ und Evernote, um mir Notizen, Ideen und Gedanken zu notieren.

10. Mit wem würde ich gern mal einen Tag lang tauschen? Und warum?

Gibt es Role Models, denen ich folgen sollte? Vorbilder können helfen, um zu verstehen, dass es andere Lebensentwürfe gibt, die tatsächlich funktionieren. Und auf die man allein vielleicht gar nicht gekommen wäre.

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Fazit: Mutig sein und #EinfachMachen!

Am Ende braucht man neben einer Portion Neugier und Offenheit vor allem Mut, um neue Wege zu beschreiten. Schließlich trifft man möglicherweise Entscheidungen, die gravierende Auswirkungen haben. Ich denke, es ist auf jeden Fall schon mal der richtige Schritt, sich selbst zu fragen, was man eigentlich will. Wie auch immer man dann zu Erkenntnissen kommt – man ist immerhin auf dem richtigen Weg.


Nun interessiert mich eure Meinung. Schreibt mir gern einen Kommentar und lasst mich wissen, wie ihr über das Thema denkt. Ich bin gespannt.

Gabriel Rath

Ich bin Gabriel, Rostocker Jung`, verheirateter Vater von 3 kleinen Töchtern und kreativer Kopf mit einer Vorliebe für Digitale Kommunikation und Social Collaboration. Hier im Blog schreibe ich über mein Leben zwischen Kinderzimmer und Digital Workplace.

5 Antworten auf „New Work: 10 Fragen, mit denen du herausfindest, was du wirklich, wirklich willst

  1. Lieber Gabriel,
    ich stamme aus der Riege der Agilisten und habe mich von da aus meine Fühler in viele Richtungen gestreckt. Unter Anderem New Work und vor allem Reinventing Organisations.

    Mit diesem Verständnis von New Work kann ich mich voll identifizieren und nenne mich von nun an neben Agilist auch gerne Neworker.

    Danke für den tollen Beitrag!
    Viele Grüße
    Stefan

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  2. Die Fragen sind alle hilfreich! Aber der Rat, alles erst mal ausprobieren, nicht unbedingt.
    Man muss auch bereit sein, Durststrecken durchzustehen. Ich hatte eine sehr gute Zeit im Ausland, meine Kinder auch. Die Rückkehr war deshalb für die meisten von uns hart.
    Aber wir waren in Großbritannien und die Durststrecke nach dem Brexit könnte weit härter werden, als damals die Rückkehr war.
    Keine Experimente ist bei der Berufs- und Arbeitsplatzwahl ein schlechter Rat. Klar!
    Aber die Gefahr, dass Jugendliche, die sich an den Grundsatz der Frau aus „Der Fischer und seine Frau“ halten, es irgendwann zu weit treiben, ist real.
    Es gibt auch dabei Erfolgsstorys. Die Geschichten über das Scheitern, weil es zu weit getrieben war, erzählt man aber weniger gern.

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  3. Ich habe mir selbst aus Ersparnissen zwei Jahre ein bedingungsloses Grundeinkommen gegönnt und mir Ziellosigkeit, Orientierungslosigkeit und Freiheit „verordnet“. Was dann Erstaunliches passierte, kommt schon sehr nah an Bergmanns Vision heran und ich lebe heute gesünder, zufriedener und glücklicher als zuvor und gebe weitaus mehr als Steuern in unsere Gemeinschaft. Wer mehr dazu erfahren möchte: https://firmenfunk.com/ff050-unsere-einstellung-zur-arbeit-und-bezahlung/

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