Wollen wir Freunde sein? Was wir von Kindern übers Netzwerken lernen können.

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Es ist Sonntag 18:30 Uhr und wir kommen gerade vom Strand zurück, als K1 mir freudig erklärt: „Papa, ich hab eben wieder `ne neue Freundin gefunden.“ Interessiert frage ich zurück: „Aha. Wen denn?“ „Na, das Mädchen eben am Strand. Die, mit der ich am Wasser gespielt hab.“ Ach die. Na klar, wer denn sonst. Mein Fehler. Hätte ich natürlich wissen müssen. Schließlich passiert sowas ja nicht gerade selten.

Wann immer wir mit unseren Großen nämlich irgendwo draußen sind, auf dem Spielplatz, am Strand oder in der Fußgängerzone, müssen wir damit rechnen, dass hinter unserem Rücken irgendwelche Freundschaften geschlossen werden. Einfach so. Mit wildfremden Kindern. So als ob das ganz normal wäre. Dabei hat ein bisschen Distanz doch noch nie geschadet. Jedenfalls glauben wir Fischköppe das ja oft.

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K1, mittlerweile stolze 6,5 Jahre alt und somit angehendes Schulkind, hat heute Nachmittag also wieder einen neuen Kontakt geadded. Unkompliziert und in Windeseile. Eigentlich ziemlich beneidenswert, denn wer weiß, wozu man all die Kontakte irgendwann noch braucht. Und überhaupt, gute Kontakte wachsen ja nicht an Bäumen. Und gute Freunde schon gar nicht. Viele von uns können ihre Freunde doch an einer Hand abzählen. Töchterchen dagegen trifft allein in einer guten Sommerwoche 5 neue Freunde. Und das ganz ohne Handy. Oder Facebook. Total offline. So als ob darin das Geheimnis liegen würde.

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Jedenfalls bin ich irgendwie beeindruckt von der Herangehensweise der Lütten. Während viele Erwachsene oft nicht mal ein simples „Moin“ herausgenuschelt bekommen und daher nicht mal wissen, was der Nachbar eigentlich beruflich macht, sieht das bei ihr ganz anders aus. Die hat sich hier mit einer Leichtigkeit in den letzten Monaten ein Netzwerk aufgebaut – davon könnten viele Unternehmer nur träumen. Also von der Art des Netzwerkens. Von den Kontakten selbst möglicherweise weniger.

Denn sind wir doch mal ehrlich. All die Marketingfuzzis, Geschäftsführer und sonstige Karrieristen investieren jahrelang in hochpreisige Mitgliedschaften diverser Networks, treffen sich dann in pseudo-elitären Kreisen, um sich „kennenzulernen“ und „mal was zusammen zu starten“. Doch am Ende wird dann doch nur verkrampft „die Branche“ diskutiert und die wirtschaftliche Entwicklung evaluiert. Hauptsache die eigene Kreditkarte ist in guten Händen. Oberflächlichkeit galore.

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Also wie zum Geier macht Töchterchen das? Wie geht sie das an? Sieht sie ein anderes Mädchen und überlegt sich einen Gesprächsanlass? Richtet sie nach einem kurzen Blick in den Spiegel nochmal die Haare? Was macht sie anders als „die Großen“, die oft lieber die Distanz wahren, sich dezent zunicken und sich über Lappalien unterhalten. Also frage ich sie: „Wie machst du das eigentlich, wenn du einen neuen Freund kennenlernst?“

„Ich gehe einfach hin und sage Hallo. Nachdem ich gesagt habe, wie ich heiße frage ich „Und wie heißt du?“ „Und dann?“ „Dann antwortet das Kind, wie es heißt und dann frage ich: Wollen wir zusammen spielen?“ „Und dann spielt ihr einfach was zusammen?“ „Ja, genau. Und dann lernt man sich sowieso erst richtig kennen.“ „Aha. Und klappt das immer?“ „Nee. Manchmal ja und manchmal nicht.“ „Und wenn nicht?“ „Dann geh` ich einfach weiter und lernen einen anderen Freund kennen.“

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So einfach kann es sein. Nicht lang schnacken, sich kurz vorstellen und dann mit einer Frage easy ins Gespräch kommen. Face to face. Mit der vollen Aufmerksamkeit, die es eben nur offline gibt. Mit Freundlichkeit und Interesse. Und vor allem mit einer Offenheit, die uns Erwachsenen gut zu Gesicht stehen würde. „Wie heißt denn deine neue Freundin, die du heute am Strand kennengelernt hast?“ will ich am Ende noch kurz wissen. „Hmmm.“ überlegt das Tochterkind, schaut mich an und sagt: „Das weiß ich nicht mehr. Ist doch aber auch nicht so wichtig, oder?“


Wie sieht`s bei euch aus? Sind eure Kinder auch so kontaktfreudig? Oder vielleicht das ganze Gegenteil? Schreibt´s mir in die Kommentare. Bin gespannt 🙂


1Dieser Text erschien bereits als Kolumne im Rostocker Stadtmagazin 0381, Ausgabe Juni 2016. Weitere Daddymodus Artikel von mir gibt es auf www.daddymodus.de. Neuerdings gibt´s außerdem eine Facebook-Seite, auf der die Tweets, Gastartikel und Blogartikel gesammelt werden. Würde mich freuen, wenn ihr mir da folgt. Checkt dazu mal www.facebook.com/daddymodus.

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2 Kommentare

  1. Hanna · · Antwort

    Also mein grosser (4.5 Jahre) ist da eher von der zurückhaltenden sorte. Er beobachtet lange fasziniert andere Kinder beim Spielen, voll Empathie, die sich oft auch körperlich wunderbar ablesen lässt. Selber hingehen und mitmachen würde ihm nie in den Sinn kommen und wenn man probiert ihn dazu zu animieren verkriecht er sich völlig.
    Sobald ihm aber das andere Kind „die Hand reicht“ und zum Spiel einlädt, ist er dabei, erst noch schüchtern, aber 10min später hat er sein Herz verschenkt und erzählt dann tagelang von dem neuen Freund oder der Freundin.
    Schön dass es die Hand-reicher-Kinder gibt :).

  2. […] unsere große Tochter schnell Kontakte knüpft hatte ich hier im Blog ja schon mal beschrieben. Auch bei uns in der Hotelanlage, die zum Glück über einen beheizten Pool verfügte, wurden […]

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