Beautiful Mind. Wie ich mir die Welt meiner Tochter vorstelle.

“Ich bin 6 Jahre alt und im Sommer komme ich endlich in die Schule. Wenn ich nachmittags aus dem Kindergarten komme setze ich mich immer an den Küchentisch und bastel was. Oder ich male. Manche Bilder nimmt Papa sogar mit zur Arbeit. Er macht da irgendwas mit Computern. Mama ist Füssetherapeutin, obwohl ich glaube, dass es gar nicht nur um Füße geht. Wenn ich groß bin will ich mal Erzieherin werden. Oder Reiterin. Ich liebe nämlich Pferde. Außerdem mag ich gern tanzen und zu Hause Überaschungspartys vorbereiten für Mama, Papa oder für meine kleine Schwester. 

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Abends wenn Papa von der Arbeit kommt spielen wir oft was, z. B. Verstecken. Neulich konnte ich ihn nirgends finden, da hab ich richtig Angst bekommen und musste weinen. Mama hat mich dann aber getröstet. Meine Mami ist sowieso die liebste Mami von der ganzen Welt. Sie bringt uns meistens in den Kindergarten und holt uns auch wieder ab. Ich mag aber oft nicht hingehen, weil es zu Hause viel schöner ist.

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Außerdem ist da so´n blöder Junge, der mich immer ärgert. Er hat mich auch schon gehauen und gebissen. Papa hat gesagt, ich soll mir das nicht gefallen lassen. Beim nächsten Mal wehre ich mich und werde laut so wie “Wut” bei “Alles steht Kopf”. Das ist nämlich mein Lieblingsfilm. Aber ich mag lieber “Freude” als “Wut.” Zum Fasching bin ich sogar als “Freude” gegangen. Das war toll. Mama hat extra ein gelbes Kleid für mich genäht und alle haben gestaunt.

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Neulich haben wir Spielsachen zusammengepackt für die Flüchtlingskinder. Die haben ja kein Spielzeug. Oder nur ganz wenig. Papa hat die Sachen dann mit unserem Auto hingefahren. Ich hoffe, dass sie sich auch darüber gefreut haben und dass sie die Bücher, die ich eingesteckt habe, noch nicht kannten. Bei den Flüchtlingen zu Hause ist ja Krieg und darum sind auch schon viele gestorben. Ich möchte aber nicht tot sein. Niemals. Deswegen will ich auch nicht alt werden. Ein Mädchen aus meiner Kindergartengruppe hat aber gesagt, dass das Leben im Himmel neu los geht. Das habe ich nicht so richtig verstanden. Es muss aber schrecklich sein, wenn man von zuhause weg muss. Hoffentlich müssen wir nie weg.  

Abends erzählt Papa mir tolle Geschichten und wir beten. Dann danke ich dem lieben Gott, dass ich eine so liebe Familie habe. Papa sagt nämlich, man soll dankbar sein. Papa kann auch räppen, besser als die im Radio. Und er kann mich und meine Schwester gleichzeitig hoch heben, so stark ist er. Mama macht wiederum die besten Pänkeks der Welt und ist meine allerbeste Freundin. Ich hoffe einfach, dass alles so bleibt wie es ist. Ich will für immer ein Kind bleiben und nie alt werden. Alte Leute sind nämlich gruselig. Neulich bin ich mit Papa Straßenbahn gefahren, da hat mich eine alte Oma die ganze Zeit angeguckt, die sah aus wie eine Hexe. Das war so furchtbar, dass ich nachts Albträume bekommen habe.

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Deswegen will ich am liebsten nur mit meiner Mama und Papa und meiner kleinen Schwester zusammen sein. Und mit meinem Kindergartenfreund, meinem Prinz. Obwohl er neulich sehr böse zu mir war. Da habe ich ihm gesagt, dass ich mir auch einen anderen Freund suchen kann. Das habe ich dann auch gemacht und der neue passt auch viel besser zu mir. Mein erster Prinz war ja auch erst 5. Vielleicht war er einfach zu jung. 

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Wie stellt ihr euch die Welt eurer Kinder vor? Schreibt´s mir in die Kommentare. Bin gespannt. 

Dieser Text erschien bereits als Kolumne im Rostocker Stadtmagazin „0381„, Ausgabe März 2016. Weitere Daddymodus Artikel von mir gibt´s auf www.daddymodus.de. Neuerdings gibt´s außerdem eine Facebook-Seite, auf der die Tweets, Gastartikel und Blogartikel gesammelt werden. www.facebook.com/daddymodus 

 

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3 Gedanken zu “Beautiful Mind. Wie ich mir die Welt meiner Tochter vorstelle.

  1. Hallo! Wirklich sehr süß geschrieben!!! Wenn du Lust hast, ich habe eine Kategorie auf meinem Blog: „Die Welt ist bunt und wunderschön“ – in dieser Kategorie versuche ich die Gedanken und Gefühle meiner Tochter (14 Monate) in Worte zu fassen. Wie Kinder die Welt erleben, es gibt nichts spannenderes 😉 Liebe Grüße, Steffi

  2. Pingback: Das war 2016. Ein Rückblick. – Gabriel Rath

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