Always on? Wie das Internet die Gesellschaft verändert.

Am Mittwoch dieser Woche besuchte ich das Mentoring-Treffen im schicken Landhotel Teschow, dem geografischen Herzen Mecklenburgs. Das Treffen ist Bestandteil des sogenannten Mentoring-Programms, mit dem die Landesregierung junge Gründer supportet, in dem sie ihnen erfahrene Unternehmer an die Seite stellt.

Gespannt war ich im Vorfeld bereits auf den geplanten Vortrag von Professor Gunter Dueck, der an diesem Abend sprechen sollte. @Wilddueck, wie er bei Twitter heißt, hielt 2011 eine Keynote auf der Re:publica in Berlin, die weite Kreise zog. Sein Vortrag „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ machte im Social Web die Runde und auch mir gefiel die lockere und unterhaltsame Art des Mathematikprofessors, Autor, Philosoph, Speaker und ehemaliger Ex IBM Chief Technology Officer, der über den gesellschaftlichen Wandel sprach, der von der zunehmenden Bedeutung des Internets vorangetrieben wird.

Bei seinem Vortrag am Mittwoch ging es zu großen Teilen auch genau um dieses Thema. Dabei machte „Wild Duck“, so sein Spitzname, einen spannenden Punkt. Er sagte, das das Internet uns gewissermaßen degradiert. Nun mag man denken, das Gegenteil ist der Fall, da wir uns quasi jederzeit und überall des geballten Weltwissens über unser Smartphone bedienen können.

Als Digital Native fühlt sich mancher da draußen sicher eher wie ein unverzichtbarer und unersetzlicher Sinnstifter. Dueck allerdings meint, dass wir alle letztlich kleinen Ameisen ähneln (werden), die emsig ihren Teil beitragen, letztlich allerdings angesichts „des großen Haufens“, dem Internet, einzeln an Bedeutung einbüßen.

Fakt ist, dass in Deutschland mittlerweile 51,77 Mio. Deutschsprachige über 14 Jahre in Deutschland online sind. Die Jüngeren wachsen ohnehin mit dem mobilen Internet auf. Meine dreijährige Tochter spielt mit mir Games auf dem Smartphone. Für die meisten wird es irgendwann ganz normal sein, online zu banken, zu arbeiten oder zu kommunizieren. Die Skepsis der Älteren, die permanent angefüttert wird von den Horrorstories der Medien über Datendiebstähle und Privatsphärenverletzungen, wird irgendwann der Vergangenheit angehören.

In den 90ern gehörte man als Onliner noch fast zu einer Randgruppe. Heute dreht sich das Bild. In 10 Jahren werden die „Nonliner“ eine Minderheit sein. Wir gewöhnen uns nicht nur an unser Smartphone. Wir machen uns abhängig. Schon heute orientieren viele sich nicht mehr in der Stadt, wir verlassen uns auf unser Navi. Wir konsumieren Inhalte blind, die uns unsere Freunde empfehlen. Internet wird das neue Fernsehen, weil sich der Mensch im Grunde nicht ändert. Ich habe einmal einen sehr interessanten Satz gehört, der angeblich von Günther Jauch stammen soll. „Fernsehen macht die Klugen klüger und die Dummen dümmer.“ So ist es im Grunde auch mit dem Internet.

Die Frage ist, ob wir die Gestaltungsmöglichkeiten nutzen (wollen), die sich uns online bieten. Wollen wir unsere Meinung in einem persönlichen Blog veröffentlichen oder wollen wir nur andere Meinungen übernehmen? Wollen wir Nachrichten recherchieren und sharen oder wollen wir nur konsumieren? Wollen wir eine Kundenrezension schreiben oder wollen wir unsere Ärger herunter schlucken?

Prof. Dr. Dueck und ich

Wir haben spätestens seit dem Web 2.0 die Möglichkeit, unsere Meinung lautstark auch online zu vertreten. Auch und gerade als Kunde. das ist allerdings für viele Bürger neue. Und für viele Unternehmen im Übrigen auch. Gunter Dueck spricht in seinem neuen Buch, das im Januar erscheint, von der „Angst vor dem Neuen.“ Er spricht auch davon, dass eine neue Idee drei Phasen durchläuft und erklärt das sehr schön am Beispiel „Internet“. Erst lachen die Leute darüber, dann widersprechen sie und dann akzeptieren sie. Wir dürften beim Thema Internet irgendwo zwischen Phase 2 und 3 sein.

Auch für unsere Regierung ist die Wichtigkeit und Dringlichkeit des Internet für viele Gruppen unserer Gesellschaft noch neu. Es wäre schön, wenn man sich hierzulande bald mal dazu durchringen würde, dem finnischen Beispiel zu folgen. Dort „hat jeder Haushalt des Landes nicht nur ein staatlich verbrieftes Anrecht auf einen Internet-Zugang, sondern auch auf eine Mindest-Verbindungsgeschwindigkeit von 1 Mbit.“

Mit dieser Infrastruktur Grundrecht ist Skandinavien uns weit voraus. Bei uns in Deutschland, speziell in Mecklenburg-Vorpommern ist man gerade „auf dem Land“ weitgehend vom digitalen Geschehen abgeschlossen. Das wiederum wirkt eher kontraproduktiv bei den Bemühungen, junge Leute im Land zu halten, stellte Gunter Dueck in seinem Vortrag fest und fügte in Richtung des anwesenden Wirtschaftsministers Harry Glawe hinzu:

„Wir müssen einfach umdenken, und den Menschen die Möglichkeit geben, sich flexibel auf der Höhe der Zeit zu bewegen.“

Hier das Video der Keynote der Re:publica 2011. Der Anfang des Videos fehlt zwar, aber das dürften maximal 2 Minuten sein. Der Verlust ist also zu verkraften 😉

Das Foto, dass ich während meines Gesprächs mit Prof. Dueck machen ließ, konnte ich übrigens nicht direkt von der Veranstaltung twittern. Es gab nicht einmal EDGE 🙂

Homepage Gunter Dueck: www.omnisophie.de

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