Liebling, ich habe die Kinder verkauft!

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Es ist Freitag, 12.30 Uhr, als ich das erste Mal diese magischen zwei Worte höre, denen ich schon die ganze Woche entgegen gefiebert habe. „Schönes Wochenende!“ “Gleichfalls!” rufe ich singend zurück und freue mich darauf, endlich wieder mehr Zeit mit meiner Frau und unseren zwei Töchtern zu verbringen. Ich denke aber auch zwangsläufig an das unmenschlich frühe Aufstehen, die Planung und Durchführung meines Animationsprogramms für die Kids und das ekelhaft schlechte Wetter, das laut Wetter-App ansteht.

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17:00 Feierabend. Entschlossen lasse ich den Hammer fallen und bewege mich Richtung Supermarkt, um die Zutaten für das familiäre Catering einzukaufen. Ich weiß natürlich, dass Freitagnachmittag der denkbar ungünstigste Zeitpunkt zum Einkaufen ist. Da schieben sich Eltern, Senioren und Co mit vollgestopften Einkaufswägen durch die Gänge, so als ob ein Atomkrieg anstehen würde. Zu allem Überfluss versucht sich eine gestresste Oma, die locker 100 Kilo auf die Waage bringt, vor mir in die Schlange zu drängeln, als ich Gedankenversunken abwäge, ob ich Töchterchen noch eine Micky Maus-Zeitung mitbringen soll. Nach einem kurzen Todesblick-Battle mit mir gibt Großmutter nach und reiht sich am Ende der Schlange ein.

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Die irritierten Blicke der Kassiererin, die ich bekomme, als ich Fruity Loops, ’n Maxi-Packung Windeln und ’n Sixer Budweiser aufs Band stelle, erwidere ich routiniert mit einem überlegenden Grinsen. Alles soweit im Plan, denke ich mir, als mein Handy piept und die Whatsapp meiner Frau mich erreicht, in der mir aufgetragen wird, noch unbedingt Avocados und Klopapier mitzubringen. Da ich die Notwendigkeit, zumindest teilweise, einsehe, muss ich nochmal zurück, vorbei an der schwitzenden, mies gelaunten Schlange. Und vorbei an der Sumo-Omi, die mich schadenfroh angrinst. Da kommt Freude auf.

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17:30 Uhr. Endlich wieder im Auto. Ich werfe schon mal einen Blick in den Veranstaltungskalender für das Wochenende. Schließlich will und kann niemand zwei volle Tage mit zwei kleinen Kindern in der Wohnung bleiben. Da drehen spätestens am Sonntag alle durch. Langsam erreichen mich auch die ersten Anfragen von meinen Jungs, ob man denn am Samstag mal wieder zusammen die Kuh fliegen lassen würde. Basierend auf unserem theoretisch funktionierenden Rotationsprinzip hat allerdings an diesem Samstag meine Frau Ausgang, was bei mir meistens dazu führt, dass ich mich übertriebenem Genuss amerikanischer Serienklassiker hingebe.

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Wenn die Kinder denn irgendwann schlafen und man es geschafft hat, nicht selbst mit einzuschlafen. Ich bin jedenfalls unterwegs nach Hause und freue ich mich schon darauf, am Wochenende mein neues Buch weiterzulesen. Vielleicht öffnet sich ja kurzfristig noch ein Zeitfenster dafür. Abends ist man allerdings oft einfach froh, mal in die Couch zu stürzen und Trash-TV zu konsumieren. Oder Musik zu machen. Oder oder oder.

18:00 Uhr. Geschafft und mit vollen Einkaufstüten betrete ich unsere Wohnung, die auffallend ruhig ist. Schauen die Kinder gerade Winnie Puuh? Oder sind sie noch auf dem Spielplatz? Es scheint keiner da zu sein. Also schmeiße ich die Tüten in die Küche, die offensichtlich in den letzten Stunden als Atelier missbraucht, äh benutzt wurde. Nach einem kleinen Seufzer gebe ich mir einen Ruck und räume die Küche auf, vorbereitet darauf, dass die Tür jederzeit aufgehen und die beiden süßen Krawallmacher ein neues Chaos anrichten könnten.

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18:30 Uhr öffnet sich die Tür dann und meine Frau betritt die Wohnung mit einem verdächtigen Grinsen. “Wo sind die Kinder?” frage ich sie nervös. “VERKAUFT!” erwidert sie und kann ihr Lachen nicht mehr unterdrücken. Spontanerweise haben sich meine Schwiegereltern bereit erklärt, unsere Diven zu beherbergen. Sehr cooler Move. “Was wollen wir machen? Geht irgendwas?” höre ich meine Frau noch, als ich überfordert von der Unendlichkeit der Möglichkeiten erst in unser Sofa und dann in einen tiefen Schlaf falle.

20:30 Uhr wache ich auf. Verdammt, schon den halben Freitagabend verpennt. Dass Zeit tatsächlich relativ ist merkt man immer dann, wenn man spontan “kinderfrei” hat. Dann vergehen Stunden wie Minuten. Wir entschließen uns also die Zeit zu nutzen und irgendwo nett was essen zu gehen. Gemütlich schlendern wir durch die KTV, als ich auf der anderen Straßenseite einen lachenden Bekannten erkenne, der mir zu winken scheint. “Was los Meister? Alles gut bei dir”? rufe ich rüber. “Jaaaa man, alles bestens. Mir geht´s großartig!” schreit er mit einem hysterisch-enthusiastischen Gesichtsausdruck zurück. “Ich hab kinderfreiiiiiiiiiii!”

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Kennt ihr diese Situationen? Was habt ihr schon für Erfahrungen gemacht? Schreibt´s mir in die Kommentare. Bin gespannt 🙂

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Dieser Text erschien bereits in meiner Kolumne “Daddymodus. Der ganz normale Wahnsinn zwischen Barbie, Boombox und Babybrei” in der August-Ausgabe des  0381-Magazins, das in Rostock und Umgebung seit Jahren als Stadtmagazin am Start ist.

Alle bisher erschienen Daddymodus-Kolumnen von mir gibt`s hier.

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