Es wurde lange und breit darüber geschrieben und diskutiert. Die Zeiten ändern sich im Social Media-Universum. Das Internet ist im Wandel. Wir alle wissen, Facebook ist nicht mehr das was es einmal war. Die Kürzung der organischen Reichweite hat eingeschlagen wie eine Bombe. Die ersten Brands verlassen Zuckerbergs Netzwerk bereits. Andere, sowie Nestlé, wollen ihr Engagament überdenken. Blogger diskutieren indes über die Frage, wie diese Entwicklung zu bewerten ist. Unternehmen müssen sich heute ganz neu überlegen, ob und wie sie in Zukunft in puncto Social Media Marketing agieren und interagieren, denn spätestens jetzt gibt es kein Wischi-Waschi mehr. Jetzt heißt es „ganz oder gar nicht“. Unternehmen, die sich den Luxus eines externen Beraters, oder einer Agentur leisten können, haben Wind bekommen und stellen langsam unangenehme Fragen.

„Wieviel Geld müssen wir denn nun wirklich in die Hand nehmen, um Summe X zu verdienen?“

„Was plant Facebook als Nächstes? Lohnt sich ein Investment angesichts der unsicheren Weiterentwicklung überhaupt noch?“

Viele wussten gar nicht, dass es überhaupt einen Algorithmus bei Facebook gibt, der den Newsfeed regelt. Das dürfen Social Media-Berater Ihnen nun erklären. Keine leichte Aufgabe, wenn man Facebook und Co vorher als Allheilmittel des Marketings verkauft hat. Einhergehend mit dieser Entwicklung ändert sich auch das Berufsbild des sogenannten „Social Media Beraters“. Was noch vor ein paar Jahren als DER hippe Job schlechthin galt und Studienabbrecher der Geisteswissenschaften wie BWL-Absolventen und Journalistenanwärter gleichermaßen anzog, scheint nun langsam aber sicher von der Bildfläche zu verschwinden. Schon 2011 fragte man im PR-Blogger, ob „das Ende der Social Media-Berater“ gekommen sei. Die FAZ schrieb kürzlich gar von der „Umweltverschmutzung der Social Media Berater.“ Am Ende des Tages müssen Unternehmen lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Die Zusammenarbeit mit externen Beratern wird in jedem Fall anders laufen als bisher, weil die Kunden dazu gelernt haben.

Hier sind die 10 Sätze, die Social Media-Berater Ihren Kunden 2014 nicht mehr sagen dürfen:

1. Lassen Sie uns auf die Homepage verzichten und stattdessen eine Corporate Fanpage bei Facebook aufbauen.

Der Eine oder Andere erinnert sich noch an den Case, als das Männermagazin FHM 2010 seine deutsche Website abschaltete, um ausschließlich auf Facebook zu setzen. Potenziellen Werbekunden teilte der Verlag mit: „Wir sind da, wo unsere Leser sind, auf Facebook: Die Interaktion mit unseren Lesern ist für uns das Wichtigste.“ Für das Geschäftsmodell einer Website sehe der Verlag „langfristig keine Perspektive“. Mittlerweile haben wir gelernt, dass die Abhängigkeit, in die man sich als Unternehmen bei Facebook begibt, auch seine Schattenseiten haben kann. Die Website muss auch heute noch das Herzstück des eigenen Online-Auftritts sein.

2. Lassen Sie uns ein iPad-Gewinnspiel machen.

Dass Gewinnspiele eine Zeit lang gerade bei B2C-Unternehmen auf Facebook der Renner waren wissen wir. Dass sich dadurch die Fanzahlen kurzfristig ankurbeln lassen wissen wir auch. Dass es sich dabei allerdings nicht um echte Fans handelt hat sich Gott sei Dank mittlerweile auch rumgesprochen. Auch wenn ein iPad ein effektives Lockmittel ist, der Marke bringt das am Ende wenig.

3. Lassen Sie uns Fans kaufen.

Viele Unternehmen konnten der Verlockung nicht wiederstehen. Facebook-Fans, Twitter-Follower oder auch YouTube-Video-Views, die für ein schmales Budget bei fragwürdigen Diensten wie Fandealer oder Fanslave gekauft werden konnten, versprachen das, was man mit Social Media erreichen wollte: tolle Zahlen. Schließlich wollte man im digitalen Schwanzvergleich mit dem Wettbewerb gut abschneiden. Klickfarmen in Indien sorgten dafür, dass viele Likes für wenig Geld zu haben waren. Leider verschwanden viele „Fans“ anschließend auch wieder 😉

Entscheident ist die Qualität der Fans, nicht die Quantität. Marken brauchen eine Community, die Themen aufnehmen oder auch mal initieren. Da wo echter Dialog entstehen kann kann Social Media richtig erfolgreich sein. Negativbeispiele wie die Facebook-Seite von Nestlé zeigen, dass „große Seiten“ nicht unbedingt tolle Interaktionsraten vorweisen.

4. Ich betreue Ihre Social Media Kanäle gerne, habe aber keine Zeit, das außerdem noch privat für mich zu machen.

Wer eine Marke im Social Web vertritt, sollte auch privat in den Netzwerken unterwegs ist, die man beruflich nutzt. Es geht um Glaubwürdigkeit. Das gilt übrigens nicht nur für Freelancer, sondern auch auch für Agenturen, die für ihre Kunden alles möglich machen, allerdings selbst nur sparsam twittern und posten. Das sollte dann schon eher Vorbildcharakter haben. Aber wir kennen das ja mit dem Schuster und seinen Leisten 😉

 5. Lassen Sie uns die Facebook-Posts automatisch twittern.

Was viele Social Media Berater vergessen ist, dass jedes social network seine eigene Community hat. Nur weil selbsternannte Social Media-Experten zeitgleich in 12 Netzwerken rumspringen heißt das noch lange nicht, dass Konsumenten genau so handeln. Im Gegenteil. Viele Facebook-User verstehen Twitter nicht. Viele Google+User machen sich über die Profanität der Themen bei Facebook lustig. Und die meisten Twitter-User sind aus Überzeugung bei Twitter und eben nicht bei Facebook. Umso schlechter kommen automatisch weitergeleitete Facebook-Posts an, die in vielen Fällen dann auch noch mitten im Satz ausgekürzt werden.

6. Lassen Sie uns einen Sponsored Tweet planen, um unsere Zielgruppe zu erreichen.

Auf die Frage “ Wie monetariseren wir Twitter eigentlich?“ wird immer noch eine passende Antwort gesucht. Das Thema Werbung ist eher schwierig, da man im Gegensatz zu Facebook weniger Userdaten zur Verfügung hat, die man für ein Targeting nutzen könnte. Somit sind die Sponsored Tweets, die man dann in der Timeline lesen kann auch odt alles andere als relevant. Ein Beispiel gefällig?

7. Vertrauen Sie mir, ich bin zwar kein Marketing-Profi, weiß dafür aber alles über das Internet.

Es soll ja Unternehmen gegeben haben, die einen Praktikanten auf das Thema Social Media losgelassen haben. Als sich allerdings rausstellte, dass Facebook keine Schülerzeitung, sondern ein Instrument der Unternehmenskommunikation ist, war das Gejammer vielerorts groß. Shitstürme zogen auf. Marketing- und Kommunikationsberater wurden konsultiert. Marke wurde wieder wichtig. Heute sollte man sich sowohl mit dem Thema Marketing als auch dem Thema Internet auskennnen, um ein Unternehmen erfolgreich digital präsentieren zu können.

8. Lassen Sie mich mal machen. Ich kann mich gut in Ihr Unternehmen reindenken.

Meine Tochter ist 4 Jahre alt und hat ein Kinderfahrrad. Da sie noch lernen muss, selbst zu fahren, hat das Bike Stützreder. Das hilft ihr, die Balance zu halten, auch wenn sie immerhin schon selbst in die Pedalen tritt. Mittlerweile ist sie aber alt genug ohne Hilfe zu fahren. Die Stützräder sind überflüssig geworden. Genauso sieht es mit Unternehmen aus, die gelernt haben, eigenständig und kompetent im Internet aufzutreten und zu kommununizieren. Genau darauf kommt es an, Hilfe zur Selbsthilfe.

9. Mein Job ist es, Ihre Sprache in den heutigen Slang zu übersetzen, den man bei Facebook und Twitter spricht.

Da sind wir wieder bei der Sache mit den Stützrädern. Mit Sicherheit sprechen viele Unternehmen eine eigene Sprache. Und der Köder muß bekanntlich dem Fisch schmecken. Trotzdem ist es oft glaubwürdiger, wenn jemand aus dem Unternehmen den Redaktionsplan aufstellt und die Posts und Tweets verfasst. Vielleicht mit etwas externer Hilfestellung am Anfang. Ein externer Texter, bzw Social Media Berater, braucht auch eine gewisse Zeit, um die Sprache des Unternehmens und, gerade im B2B-Bereich, der Branche, kennen zu lernen. Das dauert im Zweifelsfall sogar noch länger. Außerdem geht es nicht um einen hippen Slang, sondern um Kommunikation, die am Kunden ausgerichtet ist, nicht am Netzwerk.

10. Es kommt auf den Content an. Wir machen hier schließlich Social Media und kein Online Marketing.

Content is king. Ja, aber. Die Frage ist am Ende des Tages, wie wir unseren, ach so hochwertigen Content optimal vermarkten. Wir sprechen daher ja auch von „Content Marketing“. Noch vor 3 Jahren war man bei Facebook als Unternehmen mit einem kreativen Texter gut aufgestellt. Heute reichen gute Inhalte nicht mehr. Auch bei YouTube nicht. Ein Viral, wie der Edeka-Spot „Supergeil“, wird nur durch ein entsprechendes Seeding erfolgreich. Da sind wir dann bei Blogger Relations, müssen aber aber auch über SEA-Kampagnen, etc sprechen. Der Content muss sichtbar werden. Also müssen wir Posts bei Facebook hervorheben, Anzeigen und Banner schalten und und und. Der Mix macht´s am Ende aus.

 Fazit

Die Zeiten ändern sich. Das Internet ändert sich. Social Media verändern sich auch. So what? Sollten wir deswegen den Kopf in den Sand stecken? Hell no! Unternehmen sollten mittlerweile erkannt haben, dass man Unternehmenskommunikation nicht einfach so outsourcen kann. Der „Social Media Berater“ wird dennoch bestehen bleiben, allerdings kein Quereinsteiger-Job mehr sein. Dafür wurden in der Vergangenheit zuviele falsche Versprechen an Kunden abgegeben.

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