In den vergangenen Wochen habe ich oft darüber nachgedacht, warum sich Zukunft für viele Menschen gerade so schwer anfühlt.
Die Nachrichten sind voll von Krisen. Wirtschaftliche Unsicherheit. Künstliche Intelligenz. Klimawandel. Geopolitische Spannungen. Wer morgens die Zeitung aufschlägt, bekommt schnell das Gefühl, dass Zukunft vor allem etwas ist, wovor man sich schützen muss.
Und trotzdem begegne ich immer wieder Menschen, die etwas völlig anderes ausstrahlen.
Keine Naivität. Keine Schönfärberei.
Sondern Aufbruchstimmung.
Einer dieser Menschen ist Raphael Gielgen, Trendscout bei Vitra. Mit ihm starte ich nach der Sommerpause in die zweite Jahreshälfte des New Work Chat.

Unser Gespräch beginnt mit einer einfachen Frage: Ist die Zukunft eigentlich in der Krise?
Raphaels Antwort überrascht. Natürlich erleben wir tiefgreifende Veränderungen. Gleichzeitig waren die Möglichkeiten, Dinge neu zu gestalten, selten größer als heute. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, auf die perfekte Zukunft zu warten, sondern darin, selbst ins Handeln zu kommen.
Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Gespräch.
Vier Gedanken, die mich besonders beschäftigt haben
1. Der größte Wettbewerbsvorteil liegt bereits in den Unternehmen.
Raphael nennt ihn den Intelligence Advantage.
Jahrzehntelang aufgebautes Erfahrungswissen – von Mitarbeitenden, Produkten, Kunden und Entscheidungen – wird durch KI erstmals systematisch nutzbar. Nicht die Technologie allein entscheidet über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, vorhandenes Wissen intelligent weiterzuentwickeln.
Gerade für den deutschen Mittelstand ist das eine ermutigende Perspektive.
2. Arbeit bekommt neue Kolleginnen und Kollegen.
Über Jahrzehnte arbeiteten Menschen mit Werkzeugen und Software. Jetzt kommen eigenständig handelnde KI-Agenten und intelligente Robotik hinzu.
Die spannende Frage lautet deshalb nicht, welche Jobs verschwinden.
Sondern: Wie organisieren wir Zusammenarbeit zwischen Mensch, Agent und Robotik?
Das verändert Führung, Verantwortung und Entscheidungsprozesse grundlegend.
3. Innovation entsteht an den Schnittstellen.
KI allein verändert noch keine Unternehmen.
Erst wenn KI, Robotik, Sensorik, Datenplattformen und neue Energiesysteme zusammenwirken, entstehen völlig neue Möglichkeiten.
Raphael beschreibt diese Entwicklung als Zeitalter der Konvergenz.
Wer künftig erfolgreich sein will, muss weniger einzelne Technologien beherrschen als ihre Wechselwirkungen verstehen.
4. KI verändert das Betriebssystem von Organisationen.
Vielleicht ist das die weitreichendste These unseres Gesprächs.
Die eigentliche Revolution findet nicht in einzelnen Tools statt.
Sie verändert Organisationen selbst.
Führung, Zusammenarbeit, Entscheidungsprozesse und sogar die Gestaltung von Arbeitsräumen werden sich daran orientieren, wie Menschen, KI und Robotik gemeinsam Wert schaffen.
Mein wichtigstes Learning
Am meisten beschäftigt mich allerdings ein Satz, der gar nichts mit Technologie zu tun hat.
Raphael beschreibt, wie Aufbruch und Niedergang heute oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt stattfinden. Während manche Unternehmen versuchen, den Status quo zu bewahren, bauen andere bereits die Zukunft.
Beides existiert gleichzeitig.
Und genau deshalb wird Aufbruchstimmung zu einem echten Wettbewerbsvorteil.
Nicht als Motivationsspruch.
Sondern als Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten, Muster zu erkennen und trotzdem mutig Entscheidungen zu treffen.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Führungsaufgabe der kommenden Jahre.
🎙️ Die komplette Unterhaltung mit Raphael Gielgen gibt es in Folge 425 des New Work Chat. Überall, wo es Podcasts gibt. Zum Beispiel auf Spotify:
Hier zur Folge auf Apple Podcasts.
Ich freue mich wie immer über eure Gedanken: Wo erlebt ihr gerade Aufbruch – und wo eher Stillstand?
Hier sind die Links zur Folge:
Präsentiert wird die Folge von der ORGATEC, der Messe zur Zukunft der Arbeitswelt. Unter dem Motto „From rooms to relationships: designing spaces in an ever-changing world“ wird sie vom 27. bis 30. Oktober 2026 in Köln stattfinden. Seid unbedingt dabei. Ich bin es auf jeden Fall. Alle Infos: www.orgatec.de
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